Das St.Galler Kleintheater

Vorverkauf ein Monat im voraus:
Klubschule Migros St.Gallen, Bahnhofplatz 2, St.Gallen
Reservation 058 568 44 49 oder >>> online
Abendkasse eine Stunde vor Beginn:
Kellerbühne St.Gallen, St.Georgen-Str. 3, 9000 St.Gallen, 071 223 39 59
 
Walter Frei
 
  St. Galler Hexen im 17. Jahrhundert So 12. November, 14.30  


Foto: ZVG



 

Historische Stadtführung

Die Stadt St.Gallen zählt im 17. Jh. etwa 5‘200 Einwohner. Unter den 103 Hinrichtungen, die in diesem Jahrhundert vollzogen werden, erfolgen 14 wegen Schadenzauber und Hexerei. Es handelt sich um 2 Männer und 12 Frauen, von denen 4 als «Hexen» im engeren Sinne verurteilt werden. Die Zahl der Anklagen liegt deutlich höher. Von 1601 bis 1694 werden in Zusammenhang mit Schadenzauber und Hexerei 38 Fälle verhandelt. 25 Frauen und 4 Männer werden deswegen verhaftet und einvernommen.
 
Die Vorwürfe werden meistens von Nachbarn oder Nachbarinnen oder Verwandten erhoben und könnten heute mit dem Begriff «Mobbing» umschrieben werden. Führen sie zu einer Verhaftung und zur Einlieferung ins Verlies im Gefängnistum im Rathaus, werden die Angeklagten im sogenannten «Ratzenstübli» durch zwei «Frager» einer Voruntersuchung unterzogen. Der Kleine Rat zieht Ärzte und Geistliche zur Begutachtung und einheimische Männer und Frauen als mögliche Zeugen heran und entscheidet darauf, ob Gefangene freigelassen oder gebüsst oder aus der Stadt verwiesen oder aber durch den Scharfrichter gefoltert werden sollen.
 
Der «peinlichen Examination» in der Folterkammer, der sogenannten «Reichskammer» in einem oberen Stock des alten gotischen Rathauses, das von 1564-1877 stand, geht das «Erschrecken» durch den sogenannten «Nachrichter» vorauf, der zur Wahrheitsfindung zuweilen gerne «abergläubische», magische und suggestive Mittel angewendet hätte, was der St.Galler Rat jedoch stets ablehnt oder zumindest stark einschränkt.
 
Reichte das Vorzeigen der Foltermittel nicht, um die Angeklagten zu einem Geständnis zu bewegen, werden sie gefoltert, indem man sie an einem Seilzug mit drei verschiedenen Gewichtssteinen aufzieht und ab 1658 mit schmerzhaften Kluppen mit Daumen- oder Beinschrauben quält, mit denen man fast jedes Geständnis erzwingen kann. Erst die neue Kantonsverfassung von 1831 setzt diesen Methoden zur Wahrheitsfindung ein Ende.
 
Werden die der Schadenzauberei und Hexerei Angeklagten zum Tod durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen verurteilt, werden sie an der St. Jakobskapelle vorbei zum Hochgericht am Leimat geführt, wo auch bis 1839 der Galgen steht. Die Abkürzung der Hinrichtung durch die dem Verbrennen vorausgehenden Enthauptung durch das Schwert wird als Erleichterung empfunden. Konfiskationen von hinterlassenen Gütern sind in St.Gallen unbekannt. Auch werden hier nie wie andernorts Hexenkinder oder ganze Hexengruppen hingerichtet.
 
Der St.Galler Theologe Walter Frei referiert an seiner historischen Stadtführung fachkundig über die spannenden einzelnen Anklagefälle, die in der Publikation «Die Zauberei- und Hexenprozesse der Stadt St.Gallen» von Manfred Tschaikner (UVK Verlagsgesellschaft Konstanz, 2003) sorgfältig aufgearbeitet und dokumentiert sind.

Treffpunkt ist die Kellerbühne St.Gallen. Die Stadtwanderung dauert 2 Stunden und findet bei jeder Witterung statt.

Freier Eintritt / Kollekte